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Gedanken zum April: Warum du jetzt Yoga machen kannst – oder auch nicht

Vorab: Das hier wird kein sehr yogischer Text.

Als ich vor genau drei Wochen zum vorerst letzte Mal die Kerzen in unserem Yogaraum ausgeblasen habe, hatten wir wohl alle schon eine Vorahnung, dass sich in den nächsten Tagen einiges ändern wird. Was da auf uns zukommt, wussten wir – vielleicht zum Glück – noch nicht.

Wie sich unser Leben in kürzester Zeit um 180 Grad gedreht hat, bemerke ich momentan vor allem an der Art der Fragen, die ich mir im täglichen Leben so stelle.

Ende Februar ging es dabei oft darum:

„Warum muss ich schon wieder Überstunden machen?“

„Wieso habe ich zwei Monate nach Weihnachten immer noch drei Kilo zu viel?“

„Ach… am Sonntag ist schon wieder Familienessen, weshalb kann ich nicht mal Zeit für mich haben?“

 

Heute stelle ich mir eher folgende Fragen:

„Kann ich die gleiche Leggings auch noch einen vierten Tag lang anziehen?“

„Wie soll das mit der Kurzarbeit jetzt genau funktionieren?“

„Wird mein 77-jähriger Papa diese Krise gesund überstehen?“

„Warum hat Mama heute noch nicht angerufen?”

 

Diese Wochen sind ohne Frage außergewöhnlich. Jede und jeder, der gesund ist, ein Dach über dem Kopf und Arbeit hat, gehört momentan zu den Glückspilzen auf diesem Planeten. Und trotzdem leiden wir alle unter dieser Situation, der Isolation und Ungewissheit.

Und das ist auch völlig ok so. Ja genau. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn du dich gerade scheisse fühlst. Mir und allen anderen geht es – mal mehr, mal weniger – genauso. Es gibt Tage, an denen die Sonne scheint und ein Hauch von Frühling und Hoffnung durchs Fenster weht. Und dann gibt es die Tage, an denen der Hals kratzt, das Homeoffice kein Ende nimmt, der Freund oder Mitbewohner den Geschirrspüler falsch einräumt und das Konzert im Mai, auf das du dich seit einem halben Jahr gefreut hast, abgesagt wird.

Alles keine Tragik, schon klar, wir sind ja gesund und das ist das Wichtigste. Wenn du in diesen Momenten Ablenkung suchst, liegt der Griff zum Smartphone nahe. Ein kurzer Scroll durch die sozialen Medien macht es aber oft nicht gerade besser. Denn es hat den Anschein, dass die halbe Welt gerade damit beschäftigt ist, Leben zu retten – die andere aber Brot bäckt, die Wohnung renoviert, auf der Terrasse hohe Literatur liest oder eine neue Sprache lernt. Oder Yoga macht.

 

Richtig gelesen. Was Yoga auch für mich immer so besonders gemacht hat, ist die Tatsache, dass man es überall üben kann. Eine Matte, 60 x 180 cm, findet vor jedem Bett Platz, im kleinsten Wohnzimmer oder sogar im Flur. Du kannst Yoga in Marken-Pants um 80 Euro genauso gut üben wie in der Jogginghose von Tchibo. Im sexy Bra oder deinem Schlaf-T-Shirt. Und es tut gut, besonders, wenn der Lagerkoller groß und dein Arbeitsweg vom Bett an den Schreibtisch drei Meter weit ist. Oder du von einer anstrengenden Schicht endlich nachhause kommst. Diese perfekte Eignung als Indoor-Sport ohne Hilfsmittel führt aber momentan auch dazu, dass das Angebot an Online-Yogaklassen so groß ist, dass es schnell überwältigend sein kann. Stressig. Bei jedem Klick in mein Instagram-Konto finden mindestens 3 Live-Klassen statt, in denen tolle Yogis (Ironie off) zwischen Chatturanga und Sitz-Meditation ihre Zeit damit verbringen, uns alle abzulenken, fit zu halten und zu beruhigen.

Und das ist toll.  Großartig, möchte ich sagen. Genau aus diesem Grund biete auch ich meine Klassen aktuell im Livestream an. Und freue mich über jedes lächelnde Gesicht, jede freundliche Stimme, jede anonyme Person, die den „Raum betritt“. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wieviel Kraft es mir gibt, dass du dir in dieser Situation Zeit nimmst, bei schlechter Beleuchtung und knacksender Internetverbindung mit mir zu üben. Danke dafür. Muss ich oder musst du deshalb jeden Tag Yoga machen? Nein. Musst du versuchen, an einer Challenge teilzunehmen, in der sich Leute im Kopfstand die Hose ausziehen (leider auch Ironie off)? Definitiv nein.

Ich habe diesmal keine yogischen Weisheiten auf Lager, keine besonderen Übungen und Anleitungen wie du, wie wir diese Situation meistern können. Ich glaube auch nicht, dass es  – wie gerade in einem Yoga-Newsletter gelesen – jetzt gerade zum Beispiel wirklich hilft, einen „ruhigen, heiligen Ort“ in einer Ecke deiner Wonung einzurichten, Kerzen anzuzünden und jeden Tag Tagebuch zu schreiben. Schon eher, der Nachbarin gegenüber einen Zettel hinzuhängen. Oder alte Freunde anzurufen.

Nur eines möchte ich dir für die nächsten Wochen mitgeben:

Lass dich nicht stressen. Du musst in dieser Zeit des Ausnahmezustands gar nichts machen. Kein Brot backen, nicht aufräumen, nicht fit werden, und wenn du keine Lust hast, nicht mal die Zähne putzen. Egal, ob du arbeiten oder frei haben musst – nutze die langen Abende und ruhigen Wochenenden dafür, dir Zeit für dich selbst zu nehmen. Vielleicht dafür, einfach mal nichts zu tun. Nichts verändern zu müssen. Nichts zu optimieren.

Wenn du möchtest, übe Yoga. Vielleicht mit mir. Vielleicht in einer anderen tollen Yogaklasse. Und wenn nicht – dann ist das auch ok. Wenn die ganze Welt auf dem Kopf steht, musst du es nicht unbedingt auch tun.

 

Tu mir nur einen Gefallen: Bleib gesund!

Namastè und alles Liebe

Tina

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