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Monatsfokus September: Herz über Kopf

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber der September hat für mich immer etwas von Neuanfang. Bei den langsam kühler werdenden Temperaturen fällt es mir leichter, mich zu konzentrieren und neue Projekte zu starten. Wenn die Tage kürzer werden und kein Badesee oder After-Work Drink in der Sonne lockt, ist für mich die perfekte Zeit, meine Yoga-Praxis wieder zu intensivieren und mich neuen Herausforderungen zu stellen, für die ich im warmen, trägen Sommer – ganz ehrlich – zu faul war.

Umkehrhaltungen – also alle Asanas, bei denen sich das Herz höher als der Kopf befindet – stellen für viele YogInis eine Herausforderung dar. Nicht, weil sie unerreichbar schwierig zu meistern wären (auch der herabschauende Hund ist eine Umkehrhaltung), sondern weil unser Kopf daran gewöhnt ist, immer gleich ausgerichtet zu sein. Wir bewegen uns erhobenen Hauptes durch die Welt, die Schwerkraft verankert unsere Füße fest am Boden. Im Gegensatz zu Kindern, die die Möglichkeiten ihres Körpers beim Spielen noch ganz intuitiv „ausprobieren“, verlassen wir als Erwachsene die gelernten Bewegungsabläufe praktisch nie. Oder wann hast du das letzte Mal einen Purzelbaum gemacht?

Fortgeschrittenere Umkehrhaltungen wie Kopf- oder Handstand geben uns im Yoga die Möglichkeit, uns wieder spielerisch auszuprobieren und im wahrsten Sinne des Wortes die Perspektive zu wechseln. Dabei geht es weniger darum, die Asana perfekt auszuführen, sondern um das stückchenweise Herantasten an Positionen, die sich außerhalb unserer Komfortzone befinden. 

Diese Komfortzone zu verlassen, kostet zu Beginn zugegebenermaßen Überwindung. Ich selbst habe einige Monate kontinuierlichen Übens – inklusive einiger „Das schaff ich doch nie, dann kann ich es gleich bleiben lassen“-Momente – gebraucht, bis ich den Kopfstand meistern konnte. Um mich in der Haltung halbwegs wohl zu fühlen, brauchte es mindestens nochmals solange.

Argumente, warum diese Haltung nichts für einen ist, gibt es viele: „Meine Arme und Schultern sind zu schwach.“ „Meine Bauchmuskeln sind nicht stark genug.“ „Mein Kopf tut von der Belastung weh.“ Ja, diese Gedanken hatte ich auch. Und: „Ich muss doch keine Kopfstand/Handstand/Beliebige Haltung einfügen können, um Yoga zu machen.“ Während alle anderen Argumente mit der Zeit ausgeräumt werden können, dieses ist und bleibt richtig. Im Yoga geht es nicht darum, die tollsten Verrenkungen zu machen, sondern darum, sich Zeit für sich selbst und den eigenen Körper zu nehmen. Aber: Wer Yoga übt, lernt sich selbst besser kennen – und wird oft auch neugierig darauf, was man eigentlich schaffen könnte, obwohl man es sich nicht zutraut. Gespannt darauf, den eigenen Körper und seine Grenzen kennenzulernen.

Aus diesem Grund werden wir in den drei Klassen im September Haltungen üben, die uns auf die Herausforderung Kopfstand – Salamba Sirsasana in Sanskrit – vorbereiten. Wir werden Kraft in den Schultern und Armen aufbauen, unsere Mitte aktivieren und lernen, unsere Körperspannung zu aktivieren und zu halten.

Gleich eines vorweg: Niemand, der in den kommenden Wochen meine Klassen besucht, MUSS einen Kopfstand machen. Aber jede/r KANN ihn ausprobieren.  Eine Anleitung dazu, wie er sicher gelingen kann, findest du im zweiten Artikel meines Newsletters Kopfstand Step by step, bzw. am Blog.

Wenn sich dann endlich die Füße leicht von der Matte heben und die Hüfte über den Schultern balanciert, entsteht ein Gefühl, das man nicht mehr missen möchte. Kopfstand macht nicht nur Spaß, sondern tut dem ganzen Körper gut. Gerade weil wir 99 Prozent unserer Zeit in einer Ausrichtung verbringen, gibt er nicht nur dem Geist, sondern auch unseren inneren Organen Gelegenheit, einmal „upside down“ zu funktionieren.

Wenn du gesund und fit bist, kann ein Kopfstand helfen,

  • Rückenschmerzen zu lindern. Die Lendenwirbelsäule wird im Kopfstand entlastet, gleichzeitig wird die Bauch- und Schultermuskulatur gekräftigt, was zu einer verbesserten Haltung beiträgt.
  • die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn zu verbessern. Da sauerstoffreiches Blut durch die Schwerkraft im Kopfstand leichter ins Gehirn fließen kann, wird dieses besser versorgt. Dadurch kann es passieren, dass du dich nach einem Kopfstand fokussierter, wacher und glücklicher fühlst.
  • den Lymphfluss anzuregen. Die Lymphflüssigkeit hilft dem Körper, Abfallprodukte des Körpers auszuleiten. Die Umkehrhaltung regt das lymphatische System an und kann dadurch dabei helfen, Gift- und Abfallstoffe auszuscheiden. Gleichzeitig wird die Verdauung angeregt.
  • dich zu fokussieren und Stress abzubauen. Die ungewohnte Haltung erleichtert den Blick nach innen und hilft, den Moment wahrzunehmen.

Das passiert also alles in deinem Körper, wenn du dein Herz wortwörtlich über den Kopf bringst –  Grund genug, den inneren Schweinehund zu überwinden und es einfach auszuprobieren!

Achtung: Der Kopfstand ist trotzdem eine herausfordernde Körperhaltung. Wenn du unter

  • erhöhtem Augen-Innendruck leidest
  • Schulter- oder Nackenverletzungen hast
  • eine Herzerkrankung vorliegt

solltest du kein Yoga üben. Bei Zweifeln wende dich bitte an deinen Arzt und riskiere keine Verletzungen!

Ob du Kopfstand übst, wenn du deine Tage hast, entscheide bitte selbst. Bei Unsicherheit wähle aber besser eine weniger belastende Haltung wie Viparita Karani, in der du deine Beine mit dem Rücken am Boden liegend einfach gegen eine Wand lehnst und auch so die meisten positiven Effekte eines Kopfstands genießen kannst.

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